Der große Hut-Knigge
Auf einen Blick:
Die Kernantwort: Die Etikette für Kopfbedeckungen unterscheidet traditionell zwischen
den Geschlechtern sowie zwischen funktionalen und modischen Accessoires. Während für Herren das Abnehmen
des Hutes beim Betreten von Innenräumen als Zeichen des Respekts gilt, ist dies für Damen bei rein
modischen Hüten oft nicht erforderlich. In öffentlichen Räumen wie Theatern oder Kinos gilt jedoch für
alle: Die Kopfbedeckung wird abgesetzt, um die Sicht der Mitmenschen nicht zu beeinträchtigen.
Wichtigste Regeln im Überblick:
- In Innenräumen: Herren legen den Hut beim Betreten privater Räume, Restaurants oder Kirchen grundsätzlich ab. Ausgenommen sind öffentliche Orte wie Bahnhöfe oder Passagen. Damen dürfen modische Anlasshüte oder Fascinator in geschlossenen Räumen meist aufbehalten.
- Bei Tisch: Während des Essens werden Hüte, Mützen und Caps von Herren aus Höflichkeit abgenommen. Eine Ausnahme bilden Trachten, bei denen der Hut teil des Outfits ist.
- Bei Veranstaltungen: In Theatern, Opern oder Kinos sollte die Kopfbedeckung unabhängig vom Geschlecht aus Höflichkeit abgesetzt werden, um anderen Menschen nicht die Sicht einzuschränken
- Die Begrüßung: Das kurze Anheben oder Antippen der Hutkrempe (das „Lüpfen“) gilt als traditionelle Geste des Respekts vor dem Gegenüber.
- Moderne Ausnahmen: Beanies und Basecaps sind heutzutage oft fester Bestandteil des Stylings und bleiben daher in informellen Kontexten wie Vorlesungen oder in der Freizeit häufig auf dem Kopf.
Zitierhinweis: Hutshopping Ratgeber (2020) | Knigge-Benimmregeln mit Hut
Benimmregeln für Hutträger
In der jüngeren Generation ist es heutzutage völlig normal, dass Caps oder Mützen in Vorlesungen und Cafés auf dem Kopf bleiben – denn sie gehören einfach zum Outfit dazu! Aus modischer Sicht ist es aber auch lohnenswert, sich mit traditioneller Hutetikette zu beschäftigen. Was in den 60er Jahren als nicht aus dem Alltag wegzudenkendes Accessoire für den Mann galt, kommt so langsam wieder in Mode: der Hut. Egal ob Borsalino, Bogarthut, Pork Pie oder Melone – Hutklassiker sind wieder modern und liegen bei jedermann voll im Trend. Doch aufgepasst: Das Tragen eines echten Hutklassikers verlangt nach einigen wichtigen Regeln und Manieren, die ein passionierter Hutträger beachten sollte!
Dabei handelt es sich nicht um alte und verstaubte Verhaltensregeln der Vergangenheit, sondern vielmehr um stilvolles Kulturgut. Wusstest du, dass der Hutknigge große Unterschiede zwischen Männern und Frauen macht? Nein? Dann mal aufgepasst bei unserem kleinen Guide!
Hüte in geschlossenen Räumen
Grundsätzlich sollten Herren beim Betreten eines Raumes sofort ihren Hut abnehmen, wozu Frauen
nicht verpflichtet sind. Aber warum ist das eigentlich so? Wie so oft gibt es auch hier eine nette Geschichte
aus vergangenen Tagen – oder viel mehr Jahrhunderten.
Schauen wir zurück in die Ritterzeit: Als Männer noch Rüstungen trugen, nahmen sie ihren
Helm beim Betreten eines Raumes ab und zeigten damit Vertrauen, weil der Kopf ab dem Zeitpunkt ungeschützt war.
Frauen hingegen trugen keine Rüstungen. Aus diesem Grund waren sie keine Bedrohung und durften ihre
Kopfbedeckung auflassen. Diese Sitte hat sich bis heute gehalten.
Es wäre allerdings zu einfach, wenn hiermit alle Hutregeln geklärt wären. Denn das weibliche Geschlecht hat
keinen absoluten Freifahrtschein. Für Damen gilt in geschlossenen Räumen Folgendes:
Regeln für Damen
- Sie können die Kopfbedeckung grundsätzlich aufbehalten, solange der Hut nicht zu groß ist und das Gesicht nicht verdeckt wird
- Wenn der Hut allerdings eine reine Schutzfunktion hat, wie z. B. ein Regen- oder Sonnenhut, dann sollte er stets abgesetzt werden
Darüber hinaus ist es natürlich von Veranstaltung zu Veranstaltung unterschiedlich, ob das Tragen eines Hutes angebracht ist oder nicht. Generell ist aber zu sagen: Man kann nichts falsch machen, wenn man seine Kopfbedeckung abnimmt.
Besonderheiten zu bestimmten Anlässen
Von den oben genannten Regeln gibt es, je nach Anlass, bestimmte Abweichungen. Fangen wir mit
Restaurantbesuchen an: In Restaurants darf der Mann auch seinen Hut am Tisch anbehalten, wenn
er zu seiner Tracht gehört, beispielsweise beim Oktoberfest. Ansonsten gilt die bekannte Etikette.
Bei kirchlichen Veranstaltungen hängt es stark von der jeweiligen Religion ab: Im Judentum
tragen Damen und Herren in der Kirche eine Kopfbedeckung (Kippa und Tichel). Bei christlichen Andachten hingegen
(inklusive Beerdigung und Taufe) schreiben Bibel und Tradition ursprünglich vor, dass Frauen ihren Kopf bedecken
sollten, Männer jedoch nicht. Mittlerweile ist es selbstverständlich, dass eine Frau auch ohne Bedeckung eine
Kirche besuchen darf. Früher hielt man sich allerdings an das, was Paulus sagte: "Die Frau aber ist der Abglanz
des Mannes." Somit war eine Kopfbedeckung ein Zeichen von Demut gegenüber Gott. Wie gut, dass wir heute in
Zeiten der Emanzipation leben!
Im Theater, Kino und in der Oper ist es höflich, seinen
Hut drinnen abzusetzen, da man anderen eventuell die Sicht versperren könnte. Aber auch wenn du in der letzten
Reihe sitzen solltest, gilt hier für Frauen und Männer ebenfalls: Hut ab!
Bei einer Hochzeit hat die Braut als einzige ein Sonderrecht und darf auch einen großen Hut
auf dem Kopf lassen.
Den Hut richtig tragen
Jetzt haben wir viel darüber geschrieben, wann man den Hut abnehmen sollte. Doch wenn du den Hut aufbehältst, muss er auch richtig sitzen! Selbst die feinste Etikette wird dadurch zerstört, wenn der Hut zu schief oder eng auf dem Kopf liegt. Aber keine Sorge, wir klären dich gerne auf. Fangen wir bei A wie Aufsetzen an...
Hut aufsetzen
- Den Hut mit einer Hand an der Krone greifen
- Mit der anderen Hand das Haar aus der Stirn streichen
- Den Hut von vorne nach hinten aufsetzen: vom Haaransatz zum Hinterkopf
- Die Ohren werden leicht von der Krempe berührt
- Der Sitz ist fest, aber gleichzeitig angenehm
- Empfindliche Kopfbedeckungen wie Strohhüte sollten mit beiden Händen an der Krempe gegriffen werden, damit die Krone nicht verformt oder bricht
Zu dieser klassischen Variante hat sich mittlerweile auch eine moderne Trageweise entwickelt:
Der Hut wird dabei ein Stück nach oben aus dem Gesicht geschoben – wie es Frank Sinatra bereits gekonnt
vormachte. Um die stilvolle Eleganz zu bewahren, solltest du diese Tragevariante allerdings nicht übertreiben.
Zum Absetzen des Hutes kann wieder ganz einfach die Krone gegriffen werden.
Der legendäre Hutgruß
Apropos den Hut an der Krone greifen und heben: Wenn sich zwei Hutträger der alten Schule im Freien treffen, dann
grüßen sie sich gegenseitig mit ihrem Hut – eine schicke Tradition, die ein echter Hutbesitzer
draufhaben muss. Dabei gibt es drei gängige Möglichkeiten:
1. Abnehmen
2. Lüften
3. Antippen
Die förmlichste Art ist das Abnehmen des Hutes (das Ziehen des Hutes), die wieder einmal
ihren Ursprung in der Ritterzeit hat. Schon damals war es ein Zeichen von Respekt, wenn man zur Begrüßung den
Ritterhelm ablegt und damit zeigt: „Ich komme in Frieden“. Diese Geste ist außerdem der Ursprung des bekannten
Sprichworts ,,Den Hut vor jemandem ziehen" (,,Hut
ab!").
Sollte eine Begegnung lediglich im Vorbeigehen stattfinden, reicht es aber auch, seinen Hut zu
„lüften“. Dabei wird der Hut kurz mit einer Hand an der Krone gefasst und vom Kopf gehoben.
Zuletzt der wahrscheinlich lässigste, aber auch informellste Gruß: das Antippen der Krempe.
Die Hutkrempe wird mit Zeigefinger und Daumen gegriffen und gemeinsam mit einem Nicken ausgeführt – sehr beliebt
mit einem Fedora-Hut.
Damit du nicht irritiert bist, wenn jemand seinen Hut trotzdem auflässt: Träger von
Uniformen (z. B. Polizisten, Piloten oder Offiziere) behalten ihre Mütze bei der Begrüßung
stets auf dem Kopf. Im geschlossenen Raum kann die Mütze zwar abgesetzt werden, draußen ist sie jedoch immer zu
tragen und wird dementsprechend auch nicht gelüftet.
Hutklassiker für jedermann
Da du nun weißt, wie sich modebewusste Hutträger benehmen… wie wäre es mit einem Hutklassiker? Hüte aus den 20ern bis zu den 60er Jahren peppen jedes Outfit mit Stil und Eleganz auf. Wir würden dich gerne abschließend mit einigen Klassikern bekannt machen, bevor du von uns in die große weite Welt der Hutmode entlassen wirst.
Borsalinohüte
Die Marke Borsalino ist weltweit bekannt und steht schon seit 1857 für handgefertigte und edelste Hüte. Sie werden aus kostbaren Materialien, wie beispielsweise Biber- oder Kaninchenhaar, gefertigt und haben dadurch wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften. Die berühmtesten Träger waren Winston Churchill, Marlon Brando und der Gangsterboss Al Capone. Charakteristisch für den originalen Borsalino sind seine vorne nach unten gebogene Krempe, beidseitige Einbuchtungen in der Hutkrone sowie ein breites Hutband.
Bogarthüte
Der Bogarthut steht dem Borsalino in nichts nach: Mit vorne nach unten gebogener Hutkrempe wurde der Bogarthut zu Ehren seines berühmten Trägers Humphrey Bogart benannt, der ihn zu seinem Markenzeichen machte.
Pork-Pie-Hüte
Der Pork Pie wurde nach dem englischen Gericht benannt, welches zu Deutsch Schweinepastete heißt und in seiner Form dem Pork Pie stark ähnelt. Flach, tellerförmig und mit kleiner Krempe wird der Hutklassiker heute besonders von der jüngeren Generation getragen.
Bowlerhüte
Die Melone (engl. Bowler) ist insbesondere in England beliebt und erscheint in einer abgerundeten Form mit kurzer
Krempe. Heute ist diese Hutform vor allem im Reitsport anzutreffen, wird aber ebenso in der
Modewelt neu entdeckt.
Das sollte erst einmal als Inspiration für dich reichen. Hast du dich schon für einen Hutklassiker
entschieden? In jedem Fall freuen wir uns sehr, wenn du diese stilvolle Tradition mit in deine
Garderobe aufnimmst und weiterführst. Viel Spaß beim Ausprobieren!